Orgien! Orgien! Wir wollen Orgien

Dachte ich mir doch, dass dieses Asterix-Zitat funktioniert. So viel zum Thema „catchy headlines“. Und jetzt – Mist, ich sehe euch schon wieder abspringen – mein Geständnis: Es geht nicht um Orgien, aber immerhin um Asterix!

Vor einigen Tagen habe ich mich auf die Suche nach Blogs von Übersetzerinnen begeben. Leider kann ich meine Ausbeute an einer Hand abzählen, dafür hab ich ein schönes Interview mit Gudrun Penndorf, der „Asterix und Obelix“-Übersetzerin ausgespürt ­­– erschienen 2009 in der Welt.

Wieso mir das Interview gefällt? Zunächst mal find ich es immer sehr spannend und hilfreich zu lesen, womit andere ÜbersetzerInnen zu kämpfen haben, wie sie an Probleme herangehen und welche kreativen Lösungen sie finden (darum auch meine Suche nach entsprechenden Blogs). Außerdem macht es einfach Spaß, das Interview zu lesen. Ich kenne Gudrun Penndorf nicht, aber beim Lesen bekommt man den Eindruck, dass sie mit großem Vergnügen übersetzt, sich über knifflige Stellen geradezu freut und (zurecht) ziemlich stolz darauf ist, wenn sie eine passende Übersetzung findet.

Besonders was die Übersetzung der Namen betrifft, war dieser Funke, diese Begeisterung für mich spürbar.

Asterix und Übersetzmalfix

Ihr denkt euch jetzt vielleicht: Namen? Wie langweilig. Die heißen doch einfach Asterix und Obelix und Miraculix und was ist da jetzt so besonders? Aber habt ihr euch schon mal gefragt, wie die Figuren zu ihren deutschen Namen gekommen sind?

Ja, ich glaub wirklich, Frau Bendorf hatte viel Spaß am Übersetzen der Namen. Zumindest stelle ich mir das wunderbar vor, wie sie über den Namen brütet und großartige, komische deutsche Entsprechungen dafür austüftelt.

Ganz so easy und lustig, dürfte es natürlich nicht gewesen sein. Zum einen durfte sie Anfangs gar keine deutschen Namen für die Nebenpersonen erfinden, dann hat sie aber nach und nach doch Namen „eingeschmuggelt“, wie sie sagt. Außerdem steht hinter den französischen Namen auch ein System. So hat etwa jede Nation eine typische Namensendung, an die sich auch die deutsche Übersetzerin halten musste. Die Gallier und Kelten enden mit –ax oder –ix, z. B. Seelax, Stammermax, …, Normannen enden mit –af, z. B. Maulaf, Klammeraff, …, die Römer mit –us wie bei Schlagdraufundschlus, Nixalsverdrus etc.

Auf diese Weise hat sie hunderte Namen erfunden. Das muss man sich mal vorstellen. Oft hat sie versucht, den „Witz“ des Namens ins Deutsche zu übertragen, oft hat sie stattdessen einfach bei uns aktuelle Themen aufgegriffen. So sagt sie, sie habe im Jahr der großen Ladenschlussdebatte einen Römer ganz einfach Ladenschlus genannt.
Auch bei Majestix, der im Original Abraracourcix heißt, musste sie sich von der wörtlichen Übersetzung verabschieden. „… das ging natürlich gar nicht auf Deutsch“, sagt sie im Interview. „Das bezieht sich auf die französische Redensart ‚frapper à bras raccourcis“ – mit hochgekrempelten Ärmeln zuschlagen.’

Worüber ich übrigens froh bin: Neben Asterix und Obelix durfte auch Idefix nicht unbenannt werden. Ich finde den Namen toll, dagegen kommt z. B. der englische dogmatix (warum auch immer sie diese Freiheit bekommen haben) nicht an.

Im Interview geht es auch um eine andere Herausforderung, die nicht spezifisch für Asterix ist und die jeder von uns ÜbersetzerInnen kennt: Wortspiele.

Speck oder nicht Speck?

Wer von uns hat sich nicht schon mal wegen eines auf den ersten Blick unübersetzbaren Wortspiels die eine oder andere Nacht um die Ohren geschlagen? Hier ein Beispiel aus dem Interview: Es gibt eine Stelle wo es im Französischen heißt:

Mme Céautomatix: „Et alors! Les femmes bardes, ça existe, non?“
Assurancetourix: „Non, Madame! Une barde, ça n’existe pas, ou alors c’est une tranche de lard!“

Wörtlich übersetzt wäre das: „Na und? Es gibt doch auch Bardinnen, oder?“ / „Nein, Madame. Eine Bardin, sowas gibt es nicht, außer es ist eine Scheibe Speck.“

Nicht sehr komisch, oder? Dazu muss man wissen, dass „le barde“ im Französischen der Barde ist, und „la barde“ eine Bezeichnung für Speckscheibe. Das funktioniert im Deutschen also nicht. Frau Penndorf macht daraus also:

Frau Automatix: „Na und? Es gibt doch auch Bardinnen, oder?“
Troubadix: „Nein, Madame! Bardinnen, die gibt es nicht, wenn überhaupt, dann Bardamen!“

Eine Besonderheit im Comic ist es ja nun auch, dass man nicht nur auf die Wörter, sondern auch auf die Bilder achten muss. Wäre z.B. ein Bild von einer Speckscheibe zu sehen, könnte man also nicht einfach Bardamen daraus machen. Diese zusätzliche Schwierigkeit spricht auch die Welt im Interview an:

WELT ONLINE: Aber oft ist man ja doch eingeschränkt, weil der Gag zum Bild passen muss. Zum Beispiel an der Stelle, wo in „Asterix als Gladitor“ das Piratenschiff mal wieder versenkt worden ist. Die Seeräuber haben sich auf ein Floß gerettet, das aussieht wie Géricaults Gemälde „Das Floß der Medusa“, und im französischen Original sagt Barbe-Rouge, der Piratenkapitän: „Je suis médusé.“

Und hier ist es beruhigend, dass auch Profis wie Penndorf das manchmal ganz pragmatisch sehen:

Penndorf: In Deutschland ist dieser Schinken von einem Gemälde ja nicht so bekannt. Ich glaube, ich habe das Wortspiel nicht gerettet. Es gibt Lücken. Es gibt eine Stelle, wo es heißt „Nos opinions ne concordent jamais“ – das ist eine Anspielung auf die Place de la Concorde. Da habe ich lange über „Eintracht“ oder so nachgedacht. Aber irgendwann mag man dann auch nicht mehr.

Recht hat sie.

Es gibt noch Vieles, was ich sehr spannend fand, aber ihr könnt ja selbst nachlesen!  Zum Abschluss nur noch eine kleine Anekdote, die Penndorf im Interview erzählt hat:

„Hier in München gibt es einen Geräteverleih mit Namen „Verleihnix“. Mein Sohn war mal dort und hat gesagt: „Sie wissen schon, dass meine Mutter Ihren Namen geprägt hat?“ Und was antwortet der als echter Bayer: „Des ist mir wurscht!“

Was sagt uns das? 🙂

Links:
– Hier also noch einmal der Link zum Nachlesen: Interview mit Gudrun Bendorf in der WELT (29.10.2009)
– Auch lesenswert (ich bin da wohl ziemlich feingekippt – da kommt wieder die Literaturwissenschaftlerin in mir durch): Auf der Website des deutschen Asterix Archivs gibt’s ein „Gudrun Penndorf Special„, das sich ebenfalls mit den Wortspielen in Asterix beschäftigt und noch viel ausführlicher analysiert.

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